San Gerardo in Potosí
San Gerardo ist seit 1990 eine selbständige Pfarrei in der Stadt Potosí
(Bolivien), die von bolivianischen Ordensschwestern gemanaged wird.
Zuvor war sie Teil der Pfarrgemeinde San Martin, die bis 1990 von französischen
Redemptoristen aufgebaut wurde. Nachdem die Padres 1990 Potosí
verlassen mußten (kein Nachwuchs), kam es dort nicht nur in finanzieller Hinsicht zu einem
Vakuum, in dem sich die Schwestern durch die Abtrennung von der Hauptpfarrei
eine gewisse Eigenständigkeit sichern konnten.
Von 1986 bis 1994 arbeiteten wir mit beiden Gemeinden zusammen; seit '95
konzentrieren wir uns auf die Zusammenarbeit mit San Gerardo.
Die bolivianischen Schwestern gehören zu dem Orden Missioneras
cruzadas de la iglesia (gekreuzigte Missionarinnen der Kirche), einem Orden,
der 1925 in Oruro (Minenort in Bolivien) gegründet wurde. Die überwiegend
jungen Schwestern sind, anders als ihr Name vermuten läßt, außerordentlich
quirlig und lebendig! Neben der Verkündigung des Evangeliums ist
ein Hauptanliegen dieses Ordens die Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen
Lage der Frauen. Seit seiner Gründung ist der Orden auch international
stark angewachsen. Inzwischen gibt es Kongretationen in Südamerika, Spanien, Frankreich.
Die einzelnen Häuser, so auch San Gerardo, müssen sich selber finanzieren,
da sie von ihrem Orden keine finanzielle Hilfe erhalten. An anderen Orten können
die Schwestern teilweise noch einem "Brotberuf" nachgehen, jedoch
ist dies in Potosí aufgrund der verheerenden
wirtschaftlichen Situation nicht möglich.
Was ist das Ziel der Gemeindearbeit?
Die Schwestern möchten Glauben und soziales Engagement in der Pfarrgemeinde
verbinden. Dies bedeutet, daß den Einwohnern von San Gerardo eine Vielzahl
von Einrichtungen und Möglichkeiten angeboten wird um die gegebene Situation
in Potosí besser bewältigen zu können.
- So unterhalten die Schwestern einen Gesundheitsposten, in dem morgens
gegen einen geringen Unkostenbeitrag ein Arztbesuch möglich ist. Auch
sind dort die Medikamente billiger zu kaufen als in den Apotheken. Dies
ist insofern wichtig, als kaum jemand über eine Krankenversicherung
verfügt. Da die Beiträge für die Bezahlung des Arztes und
der Krankenschwester nicht ausreichen, müssen die Fehlbeträge
mit Spenden ausgeglichen werden.
- In der Webwerkstatt "AYNI" sind momentan 16 Frauen beschäftigt,
die dort unter anderem Strickwaren
herstellen, die wir auf dem Tübinger Weihnachtsmarkt verkaufen..
- In San Gerardo sind alle sehr stolz darauf, daß die Fußballmannschaft
der Webwerkstatt die beste in Potosí ist. Nachmittags nach der Arbeit
ist deswegen häufiger ein Trainingsspiel angesagt.
- Neben dieser Gruppe, die täglich arbeitet, bestehen noch zwei weitere
Gruppen von Frauen, die sich einmal pro Woche treffen. Eine davon hat letztes
Jahr an einem selbst organisierten Alphabetisierungskurs teilgenommen.
- Samstag nachmittag ist Hausaufgabenbetreuung für die Schüler.
- Jeden Tag außer Sonntag kommen etwa 140 Kinder zum
Mittagstisch.. Er ist für Kinder bestimmt, deren Ernährung
daheim nicht ausreichend ist.
- Die Altengruppe trifft sich Montags in der Kirche, um gemeinsam
zu singen, zu beten und zu reden. Einmal im Monat werden
Grundnahrungsmittel für den häuslichen Bedarf verteilt. Dies
ist vondaher wichtig, da es keine funktionierende Rentenvericherung
gibt..
- Das Gemeindegebiet ist durch ein Netz von Basisgemeinden organisiert,
die sich wöchentlich oder 14tägig treffen, um zu beten und aktuelle
Probleme zu besprechen.
- Außerdem besuchen die Schwestern die Kranken und Alten der Gemeinde.
Daneben sind sie für den Religionsunterricht der Schulen im Gebiet
von San Martin zuständig. Sonntag morgen findet der Gemeindegottesdienst
statt.
Einige Zahlen
1993 wurde in San Gerado in Zusammenarbeit mit der Universität eine
demographische Erhebung durchgeführt. Die folgenden Zahlen sollen helfen,
einen Eindruck von diesem Stadtteil zu bekommen.
Einwohner im Gemeindegebiet
Altersstruktur
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1-10 Jahre
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29%
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11-20 Jahre
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28%
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21-30 Jahre
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15%
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31-60 Jahre
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24%
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>61 Jahre
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4%
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Beschäftigung
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Kinder
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13%
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Mineros
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4%
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öffentliche Angestellte
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2%
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Handwerker
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1%
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Maurer
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4%
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Hausfrauen
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14%
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Schüler und Studenten
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44%
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Potosí